Hotel Restaurant Cà del Lupo, Montelupo Albese

Hotel Restaurant Cà del Lupo, Montelupo Albese

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Schon lange war das Piemont ein erträumtes Ferienziel von mir. Doch die durchaus stolzen Preise der Topweine und der schwärmerische Kult rund um das noch teurere weisse Gold aus Alba liess die Familie längere Zeit zögern, hier wirklich einmal Urlaub zu machen. Zu gross war die Sorge um eine radikale Überziehung des jährlichen Reisebudgets.

Gleich vorweg: Was wir erlebten, hatte mit dem Klischee nun gar nichts zu tun, und der Geldbeutel war am Ende nicht leer, dafür Bauch und Kopf gefüllt mit grossartigen Erlebnissen und Rezepten.

Am Anfang stand die Suche nach einem speziellen Hotel, das sich vom üblichen Standard abheben sollte. Fündig wurde ich ganz in der Nähe von Alba mit dem „Cà del Lupo“. Neben dem gleichnamigen Ort Montelupo Albese liegt es wunderbar eingebettet in die sanfte Piemonteser Hügellandschaft. Die moderne Architektur ist nicht einfach nur als Ausrufezeichen gedacht, das Konzept setzt sich auch nach innen fort, durch Kunstpräsentationen an den Wänden oder Jazz anstatt Fahrstuhlgedudel zum Frühstück.

Dabei sind die Inhaber aber keine abgehobenen „Selbstverwirklicher“, sondern gehören zu den aufmerksamsten und hilfsbereitesten Gastgebern, die ich je erlebt habe.

Mittlerweile ist die Anlage durch einen sehr schönen Aussenpool ergänzt, von dem es sich, wie von den Balkonen, prächtig in die Hügellandschaft rund um Alba hineinträumen lässt. Wenn Sie mal einen Abend nur auf Ihrem Balkon geniessen wollen, serviert man Ihnen unglaublich gute Produkte aus der Region, diese finden sich auch beim Frühstück wieder, das definitiv nichts mit der oft üblichen Mischung aus Industrie-Aufschnitten und Portions-Marmeladen in Plastik zu tun hat.

Das Hotel stellte anfangs eigentlich nur ein Anhängsel zum gleichnamigen Restaurant dar, das bereits in den 70ger Jahren gegründet wurde, wie mir der Besitzer selber erzählte, um müden Besuchern die Heimfahrt zu ersparen.

Und in eben jenem Restaurant hatten wir unser erstes „Aha“-Erlebnis rund um piemonteser Tafelkultur. Wir sassen nicht in einem gediegenen, alten Speisesaal mit Töpfen und/oder Stichen an der Wand sondern in einem lichtdurchfluteten schlichtem Raum, in dem vor allem Glas und Beton die stilbildenden Merkmale sind.

Auch auf der Karte dominierten nicht Pasta mit vielen, vielen Eiern und der (geliebte) Edelpilz, sondern formidabler Auftakt bildete Leberterrine mit roter Zwiebelmarmelade. Frankreich ist eben auch nicht mehr weit. Selbstverständlich gab es danach einen Schmorbraten vom Wildschwein, ein wenig Klischee muss eben sein. Alles war wunderbar, und die Preise dann eine echte Sensation: die Vorspeisen um die acht Euro, kein Hauptgericht mehr als 15 (unser Besuch ist allerdings schon ein paar Jahre zurück). Auch bei den Weinen konnten wir so viele Entdeckungen machen,  ohne auch nur einmal in Versuchung zu kommen, eines der ganz grossen „Bs“ zu ordern (was auch die Gastgeber uns nur selten nahe legten).

Diese hohe Restaurantkultur, ohne Schnickschnack, aber stets ambitioniert haben wir überall wiedergefunden, zu unserer Überraschung liess sich fast eine Faustregel festhalten: Je kleiner das Dorf, umso besser (aus unserer Sicht) die „Osteria“ am Dorfplatz. So servierte die Patronin in unserem kleinen Ort Montelupo tatsächlich ein „millefoglio di coniglio“ als Vorspeise für – bitte festhalten – 5 (sick!) Euro. Sagenhaft. Danach ein Tunfischsteak, wie in den Sterneküchen, d.h. innen saftig rot und nur auf beiden Seiten kurz gegrillt. Mein absolutes Highlight war aber eine regionale Spezialität: Carne cruda di fassone, also Tatar vom im Piemont heimischen Fassone-Rind. Nur mit bestem Olivenöl, Zitronensaft, Salz und Pfeffer am Tisch selber angemacht. Das Gericht ist von einer unglaublichen Schlicht- aber auch Feinheit. Bitte, was braucht man denn mehr – ausser noch einem guten Glas Piemonteser (Schaum-)Wein?

In Alba kommen Sie natürlich nur schwer an Trüffel-Präsentationen aller Art in den Feinkostläden und Restaurants vorbei. Unser Hotelier hatte aber einen noch ganz anderen Tipp für uns auf Lager: Die Besichtigung, wie und wo die andere – sehr berühmte „Trüffel“ entsteht: Nämlich die gleichnamige Schokoladen-Nougatspezialität. Die Damen und Herren nehmen ihre Mission sehr ernst: So durften wir zwar die gesamte Herstellung besichtigen, aber – wie in einer Hochsicherheitsfabrik – keine Fotos machen oder filmen. Umso grosszügiger dafür die Präsentation des gesamten „Versuchungsspektrums“ im angeschlossenen Verkaufsladen.

Von einem einzigen kleinen Wehrmutstropfen muss ich zum Schluss aber noch berichten: Das Wetter war dann doch eher – vorsichtig gesagt – wechselhaft. Es regnete ausgiebig. Als uns schließlich die Ausflugsziele ausgingen, besuchten wir ein „Hüpfburgland“ in Alba, wieder entdeckt von unseren Gastgebern, aus Sicht der Kinder natürlich ein ähnliches Paradies wie für uns die Restaurants des Piemont. Wenn Sie die dort aufgenommenen Kalorien wieder verbrennen wollen, ohne sich am Rande der Würde über aufgeblasene Drachen mit Ihren Kleinen zu wälzen: Selbstverständlich können Sie im Cà del Lupo auch Fahrräder für Ausflüge mieten.

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www.cadellupo.it

Trattoria In Piazza Snc Di Gibellino Emanuela E Miscali Gian Piero

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