Ligurische Riviera und Hinterland

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Ligurische Riviera und Hinterland

Wie auch beim „Rezeptdoppel“ möchte ich an dieser Stelle meine absolute Lieblingsregion mit zwei Blogeinträgen würdigen: Die ligurische Riviera, vor allem zwischen Albenga und San Remo und das Restaurant „Vascello Fantasma“ mit einem eigenen Eintrag nächste Woche. Erstmals waren wir hier in den neunziger Jahren bei einer echten Schlemmerreise, die im Übrigen in Mailand begann. Wir besuchten (beinahe) alle Stationen aus dem wunderbaren Porträt, eher eine Liebeserklärung von Eva Gesine Baur im „essen und trinken“ über Ligurien und buchten kleine Hotels vor Ort. Allein die Erlebnisse auf dieser Reise würden mehrere Blogeinträge füllen können: Von schlaflosen Nächten aufgrund des Zimmers „mit Blick“ auf die Aurelia, also die Strasse SS1, die niemals schläft (definitiv an der falschen Stelle gespart), über unerwartete Bergpassagen mit kreuzenden Schneehühnern bis zu und vor allem natürlich kulinarischen Entdeckungen am Rande der Völlerei.

An dieser Stelle möchte ich mich aber auf drei Tipps konzentrieren. Bei Gelegenheit (und wenn ich die alten Fotos wieder finde), werde ich das eventuell doch noch mal ausweiten. Zunächst also unser absoluter Favorit bei den Ferienzielen: Laigueglia.

Gesegnet mit einem wunderbaren, feinen Sandstrand bietet es vor allem eine Fussgängerzone im historischen Zentrum, die den Lärm von der Aurelia komplett wegblockt. Es sei denn, Sie buchen im Hotel „Splendid“ auf der falsche Seiten, so wie wir einmal (siehe Eingangsbemerkung). Generell kann ich das Hotel nicht empfehlen, uns fehlte das Herz bei den Besitzern. Seit langem geschlossen ist ebenso das „Windsor“, zuvor eine verlässliche Drei-Sterne Adresse. Auch unser Lieblingsrestaurant „Vascello Fantasma“, das wie gesagt noch einen eigenen Blogbeitrag erhalten wird, hat 2007 endgültig zugemacht. Seitdem steht die wunderschöne Immobilie leer und verfällt.

Daher galt für Laigueglia lange Zeit mein Spruch: „Alles verändert sich, Wenig zum Guten“.  Stetig geblieben und dabei kontinuierlich verbessert ist die Residenz „baiadelsole“ als absolute Krönung eines Ferienziels aus meiner Sicht: Direkt am Strand in der Fussgängerzone und dabei Appartments mit Küche, so dass man die lokalen Angebote der Alimentari und des Wochenmarktes optimal ausnützen kann. Und um meinen leicht pessimistischen Spruch sich entgegenzustemmen, hat letztes Jahr nun auch wieder ein Fischgeschäft aufgemacht, nun ist man wieder nicht mehr nur auf das Tagesglück des letzten Fischers in Laigueglia angewiesen. Als erstes gab es dann natürlich den Oktopussalat und danach Wolfsbarsch auf ligurische Art.

Pflichtprogramm ist für uns auch immer ein Spaziergang nach Alassio, dem wohl bekanntesten Badeort der Region. Hier gibt es deutlich mehr Hotels, allerdings gefällt uns der (wenn auch sehr kleine) historische Kern von Laigueglia besser. In Alassio haben Sie aber dann definitiv mehr Angebote zum Shoppen und Essen, auch mal auf „bling-bling“ Niveau, wie ich das gerne nenne. Besonders geeignet ist dazu das Mozart-Cafe, das mit unglaublichen (offerierten) Häppchen zum Glas „Spumante“, oder nach was Ihnen sonst ist, aufwartet. Man kann im Restaurant dann anschliessend sehr gut essen oder  Sie besuchen den Platzhirsch seit langer Zeit „La Palma“. Natürlich müssen Sie noch die weltbekannten „Baci di Alassio“ probieren, Kekse mit Schokoladenfüllung, am besten im wunderschön plüschigen Cafe direkt hinter dem Mozart in der Fussgängerzone. Besuchen Sie auch das berühmte Mäuerchen mit seinen Kacheln von (oft längst vergessenen) Prominenten. Direkt gegenüber befindet sich eine hervorragende Enothek, wenn man an einem Abend mal nicht nur auf die regionalen, oft etwas sauren Rotweine zurückgreifen will, beim Blick auf das Meer vom Balkon des „baiadelsole“.

Mein  abschliessender Tipp stand ebenfalls zunächst unter dem oben erwähnten Motto der Veränderung: Das „Dell Angelo“ in Pieve di Teco. Hingefahren sind wir eigentlich, um die besten Gobeletti in einer Bäckerei zu verkosten, die uns Nini vom „Vascello Fantasma“ empfohlen hatte und um Öl und Wein bei Lupi zu kaufen. Zwei Brüder, die sich, wenn ich mich richtig erinnere, zerstritten hatten, so konzentrierte sich der eine auf  Öl, der andere auf Wein. Mittlerweile gibt es nur noch den Wein, doch der ist hervorragend. Vor allem der „vignamare“, aber auch die normalen Pigato und Vermentino.

Die eigentliche Sensation bleibt aber das „Dell Angelo“. Es ist wie eine Zeitreise. Über 50 Jahre wurde die „albergo“ (es gibt auch Zimmer) von Mutter und Sohn betrieben. Von aussen eher unscheinbar, erschliesst sich auch innen nicht gleich die Besonderheit, denn das Ambiente ist eben – zwar liebevoll gepflegt – leicht in die Jahre gekommen. Auch die Speisekarte scheint stehengeblieben zu sein, besonders die Preise für die Weine hat der Besitzer seit langer Zeit nicht mehr verändert. So konnten wir einen 20 Jahre alten Barolo für nicht mehr als 30 Euro geniessen. Bei unserem ersten Besuch kostete das Bier noch 1000 Lire (Becks). Auch die Lupi Weine bekommen Sie dort zum gleichen Preis wie unten beim Verkauf. Angelo vom Vascello Fantasma meinte, die Lupis würden das Restaurant quasi ständig auch für Geschäftsessen nutzen und hätten daher vielleicht mit dem Inhaber einfach einen Direktvertrag mit Weinlieferung abgeschlossen.

Das alles sind aber nur Details gegenüber dem, was das „Dell Angelo“ wirklich ausmacht(e). Beim Eintreten konnte man links in die Küche schauen, wie die „Mama“ die Pasta selber ausrollte, um dann vom echten Highlight völlig überrascht zu werden: Dem Eintritt in den Speisesaal, den man so hier nie und nimmer vermutet hätte. Wie in einem Schloss mit historischem Deckenfresko, altem Porzellan und Kristall in eingelassenen Eckenvitrinen. So erfuhren wir, dass im „Dell Angelo“ schon Napoleon getafelt (und übernachtet) haben soll. Serviert wurde grundsätzlich vom aufmerksamen Sohn (damals schon weit über 50) mit liebevollen Ticks. Er ordnete z.B. bei jedem Verlassen des Speisesaals die Salz- und Pfefferstreuer auf dem grossen Serviertisch neu an. Die Suppe kam stilvoll in grossen Silberschüsseln und alle Gerichte boten absolut perfekte, unverfälschte regionale Küche.

Bei unserem letzten Besuch war die Mutter gestorben, die Ticks des Sohns nicht mehr zu sehen. Die Pasta wurde weiterhin hausgemacht, nun von einer freundlichen, lächelnden jungen Dame. Der Besitzer nahm Abschied von uns, er habe verpachtet und wolle sich zur Ruhe setzen. Wir vermuteten, mit der neuen Köchin. „Alles verändert sich, Manches zum Guten“.

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