Béziers, Midi Kanal und Platanen

 
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Béziers, Midi Kanal und Platanen
 
Die größte Attraktion dieses kleinen Örtchens im Langeduoc ist der berühmteste Sohn der Stadt, Paul Riquet, der Erbauer des Midi Kanals. Dieses grossartige Bauwerk verbindet den Atlantik mit dem Mittelmeer über ein ausgeklügeltes Schleusensytem, und wurde in nur 15 Jahren erbaut. König Ludwig XIV zeigte sich allerdings wenig dankbar. Da ihm das ganz nicht schnell genug ging, und die Kosten in die Höhe schossen, musste Riquet sein Privatvermögen miteinbringen und starb hoch verschuldet sieben Monate vor der Eröffnung des Kanals im Jahr 1681.
 
Heute verehrt die Stadt ihren berühmten Sohn mittels einer sehr grossen Statue direkt im Stadtzentrum auf dem zentralen Platz, der in eine grosse Alle, die ebenfalls nach Riquet benannt wurde, übergeht. Die anliegenden wunderschönen Häuser im Hausmann Stil haben zum Teil schon etwas bessere Zeiten erlebt. Insgesamt wirkt die eigentlich sehr schöne Altstadt ein wenig vernachlässigt. Wir waren erstmlas vor rund 12 Jahren dort und fanden damals alles etwas lieblicher.
 
Auch das Restaurant, in dem ich damals eine Offenbarung in Form von „confit de canard“ erlebte, gibt es nicht mehr. An gleicher Stelle, auf der Place de la Madeleine, im Schatten der festungsartigen romanischen Kirche gleichen Namens und in Sichtweite zu den Markthallen gelegen (was ja bekanntermassen oft kein schlechtes Vorzeichen für die Qualität des Angebotes ist), haben wir jedoch erneut gut gegessen in einer kleinen brasserie, die auch eigene Produkte im hübschen Innenraum verkaufte.
 
Bei der „Auswahl von kalten Vorspeisen“ fand sich auch ein Gazpacho dabei, Spanien ist ja nicht mehr allzuweit weg in dieser Ecke Frankreichs, oft wird sie mit Pistou serviert, ich habe die zugehörigen Zutaten  in die Ziegenkäsepraline und den Tomatensalat gepackt. Im Anschluss sollten Sie noch einen Verdauungsspaziergang zur Kathedrale Saint Nazaire machen und den wunderbaren Ausblick über das umliegende Land geniessen.
 
Zurück zu Paul Riquet und dem Midi Kanal. War er über Jahrhundert ein wichtiger Transportweg für Schiffe und Kähne aller Art, oft von Eseln am Land flussaufwärts gezogen, wird er seit rund 20 Jahren heute nur noch zu touristischen Zwecken genutzt. Neben geführten Kurzfahrten ist es vor allem attraktiv, sich als Freizeitkapitän zu versuchen, und ein eigenes Hausboot zu chartern. Man entdeckt so viele kleine Ortschaften und ist auch nach Aussage eines Freundes gut beschäftigt aufgrund der zahlreichen Schleusen, die man zum Teil selber betätigen muss. Die durchgehend gepflanzten Bäume, früher vor allem Platanen, eigentlich mit dem Zweck, die Wasserverdunstung zu verhindern, sorgen dafür, dass man keinen Sonnenbrand bekommt.
 
Auch die Abende in völliger Stille am Wasserrand dürften sehr erholsam und romantisch sein. Aufgrund der extrem geringen Fliessgeschwindigkeit des Kanalwassers ist dies jedoch auch ein ideales Refugium für Tiere und vor allem Insekten aller Art. Entsprechend häufig erhält man Besuch von vor allem Mücken, wie ich am „gesprenkelten“ Bein einer Kapitänsgattin sehen konnte, die sich an einem Schleusentor abarbeitete. Keine Rose ohne Dornen eben.
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