Da Sciolla, piemontesische Insel der Glückseligkeit

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La Sciolla, piemontesische Insel der Glückseligkeit

Wie schon letzte Woche angekündigt, hier Teil Zwei des Doppels zu Domodossola. Diese Stadt am Ende des Ossolana Tals hat eben nicht nur einen wunderbaren Wochenmarkt zu bieten, sondern auch Restaurants, die man so stimmig als Italien-„Junkie“ oft verzweifelt sucht. Wir haben noch nirgends hier schlecht gegessen. Es gäbe so viel detailliert zu loben, zum Beispiel unsere Aperobar,  „Strabiglia“, nebenan auch sehr gutes Restaurant, das urige „da Bo“ mit Kastagnengnoccchi und Bettelmattsosse, aber das „Da Sciolla“ ist für uns das alles überstrahlende Kleinod.

Lucia und Giorgio betreiben es mit grosser Herzlichkeit sowie schier unerschöpflicher Energie. Sie sorgen klammheimlich ebenso dafür, dass Stück für Stück auch die – teilweise noch sehr brüchige – Altbausubstanz von Domodossola saniert wird. Denn das „Da Sciolla“ verfügt über einige Gästezimmer, verteilt auf mehrere kleine Häuser rund um das Restaurant selber. Sie sind gepflegt und sauber, oft mit alten Möbeln zusätzlich verschönert, manche können auch als Appartments genutzt werden, samt Kochnische. Das ist insofern eine Verführung, da direkt neben dem „Da Sciolla“ der aus unserer Sicht beste Alimentari, eigentlich hauptsächlich Metzger, beiheimatet ist. So können wir die Produkte nicht nur gleich im Kühlschrank verstauen, sondern es bietet sich auch die Gelegenheit, mal einen Abend auf dem Zimmer zu verbringen, zum Beispiel nach einer Wanderung.

Wie alle Restaurants in Domodossola bieten Lucia und Giorgio gute und günstige Mittagsgerichte, gerade nach dem Samstags-Markt. Gönnen sollte man sich jedoch ein Dinner mit dem Degustationsmenü. Man kann sich getrost in die Hände von Lucias Empfehlungen begeben und wird nie enttäuscht. Ob eine spezielle Lauchtorte, Hirschcarpaccio, Vitello Tonato (klar), schon der erste Gang auf Salatbasis ist perfekt. Danach reichen Lucia und Giorgio immer selbstgemachte Pasta, gerne mit Ragouts, im Anschluss folgt ein cremiger Risotto der Extraklasse – zum Beispiel mit Bergkräutern oder Steinpilzen und dann erst das Hauptgericht. Wer noch Platz hat im Verdauungstrakt, freut sich an Käsen kleiner Produktion und den zahlreichen selbstgebackenen Kuchen oder Cremes, es ist alles da.

Für mich immer wieder faszinierend ist die Vielzahl an Gerichten, die Giorgio in seiner (kleinen) Küche fabriziert und in beieindruckenden Portionen „raushaut“. Denn das Lokal ist Abends eigentlich immer gut besucht. Serviert wird im Übrigen sehr stilvoll auf grossen Platten und in Silberschüsseln, alle Gerichte werden erst am Tisch portioniert. Auch das Ambiente insgesamt ist zwar schlicht aber wunderbar stilvoll italienisch. Ein Paradies eben.

Beinnahe unnötig zu sagen, dass wir mittlerweile Stammgäste im „Da Sciolla“ sind, und so durften wir auch ihre kleine „Azienda Agricola“ besuchen, auf der sie Schafe, Hühner, Kaninchen pflegen und zahlreiche Obst- und Gemüsesorten kultivieren. Ein ganz junges Kaninchen wollten die Kinder eigentlich gar nicht mehr hergeben, ich half Giorgio beim Pflücken von Walderdbeeren, zu welchem Zweck, sollte ich am Abend erfahren.

Denn immer wieder gibt es kulinarische Promotionen aus der Region und in diesem Fall ging es um die Produkte rund um den Lagio Maggiore, der ja nicht weit entfernt ist. Im Mittelpunkt standen diesmal alles um die Ziege und Kastagnen-Honig, passt ja perfekt. Die Ziegen sorgten nicht nur für Käse, sondern wir konnten auch erstmals einen rohen Schinken vom Zicklein probieren. Und meine Wald-Erdbeeren habe ich in der Vorspeisse wiedergefunden, als Beilage zum „Millefoglie di Capra“ serviert mit Kastagnen-Honig vom Lagio Maggiore. Ein Gedicht.

Es erübrigt sich eigentlich zu sagen, dass Lucia auch jeden Weintraum erfüllt, man muss nicht mehr sagen, als „weiss/leicht/kräftig“ oder „rot/eher jung/Barrique-Kanone“ und Lucia sucht sowie findet in ihrem Schrank das Passende. Noch nie habe ich mehr als 30 Euro für eine Flasche Wein hier gezahlt, sollte es sich auch um noch so einen wunderbaren gereiften Tropen gehandelt haben. Es ist einfach alles perfekt.

Unlängst haben wir in der Familie eine kleine, völlig unrepräsentative Umfrage gemacht, mit jedoch erstaunlichem Ergebnis. Liebe Eidgenossen bitte jetzt einfach nicht weiterlesen: Was denn das Schönste an unserem Gastaufenthalt in Bern gewesen sei, so fragten wir uns. Einstimmig antwortete jeder, die Wochenenden in Domodossala bei Lucia und Giorgio. Ci vediamo carissimi!

 

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