Morcote, Lago Lugano, Postkartenidyll

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Morcote, Lago Lugano, Postkartenidyll

Eigentlich erstaunlich, dass dies mein erster Eintrag heute zum Tessin und seiner Küche wird. Wo ich doch die „Sonnenstube der Schweiz“, seine Landschaft, die Ess- und Trinkkultur sowie seine Menschen so sehr liebe. Viele Anregungen habe ich hier von freundlichen Wirten für meine Küche bekommen. Hübsche und typische „Grotti“  suche ich so wie andere Pilze (die ich dann dort lieber auf Polenta verspeisse). Daher auch nun wieder ein Doppel, für einen besonderen Ort und zwei erinnerungswerte Restaurants.

Ein wenig hadere ich immer, wenn ich im Tessin zu Besuch sein darf, wie man gerade am See mit der wunderschönen Landschaft umgeht und Architekten sich verwirklichen lässt, oder grosszügig Gewerbeflächen freigibt, wo doch gerade Bau-Platz im Tessin rar ist. Neben den optischen „Belastungen“ sind die Folgen gerade der zunehmenden Hangerschliessung auch vermehrte Abgänge und andere „Überraschungen“ im labilen Ökosystem.

Morcote hingegen bietet auf beinahe kitschige Art und Weise das, was ich mir unter Tessin vorstelle, wenn man eben mehr den See, anstatt die – unbestritten ebenfalls wunderschöne – Täler- oder Alpenlandschaft sucht. Morcote gehört zum Ortskreis „Paradiso“ des Luganersees, was ja schon eigentlich alles sagt. Fast jeder Eidgenosse, der im Migros oder Coop einkauft, hat dieses „Postkartenmotiv“ schon in Händen gehalten, nämlich wenn er zur Tessiner Platte greift. Dort ist – als eines von mehreren Motiven – die Silhouette des Dörfchens mit seinen Arkaden unten und der darüber aufragenden Kirchenanlage Santa Maria del Sasso abgebildet.

Als Hotel kann ich das „Albergo della Posta“ empfehlen, ausser netten Zimmern im schönen Altbau gibt es gute Küche, fertig. In und um Morcote finden sich auch Etablissements mit mehr Annehmlichkeiten, uns ging es um das Typische. Mancher Reiseführer rümpft die Nase über das Speisenangebot der Restaurants im Ort, es handele sich um Tessiner Küche auf „minimalsten Nenner“, also unkreativ. Aber bei mir genügt eben der Anblick eines Kupferkessels mit „echter“ Polenta (also drei Sorten zusammen!), um glücklich zu sein.

Und wer etwas Besonderes sucht, muss auch nicht weit laufen, sondern unternimmt einen appetitanregenden Spaziergang hinauf nach Vico Morcote. Es muss auch einen Pfad vorbei an der schönen Kirche Maria del Sasso geben, wir haben ihn nicht gefunden, sondern sind wieder am Friedhof mit den Monumentalgräbern und seinen prominenten „Gästen“ vorbei und dann hangaufwärts gestiegen. Zur Zeit der Kamelienblüte ist dies noch einmal ein besonderes Erlebnis. Nach rund einer halben Stunde ist man in einem weiteren kleinen Paradies: Vico Morcote und dem „al Böcc“, was – wie ich mir habe sagen lassen, Loch im Tessiner Dialekt heisst.

Das Lokal, ein hübsch saniertes echtes Tessiner Haus, liegt am zentralen Platz mit Tischen und einer „platanenumschatteten“ Lounge draussen, drinnen findet sich eine feine Mischung aus modernen Stilelementen und altem Gemäuer. Auch die Küche bleibt diesem Motto treu und nimmt die Tessiner Küchentradition auf in modernem Gewand samt Zubereitung. So genossen wir zur Vorspeisse unter anderem wunderbaren Salat mit einem Frisch-Käse aus Kleinstproduktion, danach geschmortes Zicklein und zum Schluss ein – eher internationales – Schokoladensouffle. Alles handwerklich sehr sauber und dass die Weinauswahl ebenfalls mit viel Regionalem aufwartet, versteht sich fast von selbst.

Zufrieden und mit leichter Schwere sind wir in unser Domizil hinabgestiegen, um noch einen Kaffee auf der Terrasse des „della Posta“ zu geniessen. Und da ist wieder passiert, was – ich schwöre, dass es wahr ist – mir jedes mal widerfährt, wenn ich ins Tessin reise. Ich sehe IHN, genau den EINEN Prominenten, der auch so wunderbar hierher passt, quasi als letzter Mohikaner einer Garde, die einst für den speziellen unpretäntiösen Glamour dieses Kantons gesorgt hat: PETER KRAUS. Diesmal fuhr er in seinem Alfa Cabrio langsam die Strasse in Richtung Melide, er sang dabei jedoch nicht Sugar Baby und hatte auch nicht Conny Froboess im Arm. Dennoch war er sichtlich glücklich, so wie alle, die an diesen schönen Ort kommen.

 

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