Chateau Hermitage, Traumschloss mit leichter Melancholie

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Chateau Hermitage de Combas, Traumschloss mit leichter Melancholie

Der Titel dieses Blogbeitrages ist etwas irreführend, da der Leser vielleicht denken könne, es handele sich hier um ein altes Gemäuer am Rande eines Moores mit Nebel und sonstigen Stimmungsdämpfern für das Gemüt. Das Gegenteil ist der Fall, das Schloss besteht – in Teilen – zwar seit dem 17. Jahrhundert, aber ist ein echtes Erholungsparadies, das auch wir sehr genossen haben, nur verbindet sich hier mal wieder eine persönliche, doch recht traurige Geschichte mit diesem Reiseziel, die für uns immer eben untrennbar mit dieser Destination verbunden ist.

Erstmalig erfuhr ich über dieses Anwesen im Rahmen meiner damaligen beruflichen Tätigkeit, der Schlossbesitzer hatte sich einen Helikopter unseres Unternehmens gekauft, mir fiel die Aufgabe zu, ein Porträt für unser Kundenmagazin zu schreiben. Neben der Hubschrauberfliegerei war sein grösstes Hobby das Restaurieren alter Anwesen, die er dabei zumeist in Hotels oder Ferienanlagen mit Appartments umbaute. In seinem Berufsleben war er zuvor ein sehr erfolgreicher Arzt gewesen. Angefangen über ein Schloss bei Aachen über eine ehemalige Poststation in der Provence stellte das Chateau Hermitage, in der Nähe von Beziers gelegen, das bislang grösste und anspruchsvollste Projekt für ihn dar.

Als ich für die Recherche meiner Story eintraf, war eigentlich fast alles schon fertig, ein paar Wohnungen mehr sollten noch um- bzw. ausgebaut werden, seine sehr liebe und warmherzige Frau sorgte für die Inneneinrichtung mit viel Gefühl für Details. Die ganze Anlage liess nichts vermissen: Die Appartments oder Wohnungen waren mit neuesten Küchen ausgestattet, selbstverständlich wurde Wein produziert, man konnte einfach ankreuzen, welchen und wieviel davon und schon wurde er in entsprechende Regale in den Küchen geliefert. Fahrräder zum Ausleihen standen bereit, es gab Tennisplatz, Pool, Boulebahn sowie als Höhepunkt einen Fitnessraum samt Saunalandschaft, angelegt wie eine Grotte. Wer nicht kochen wollte, dem stand das hauseigene Restaurant offen, das südfranzösische Menüs zu sehr reellen Preisen anbot. Den Wein konnte man sich nach Hause schicken lassen, daneben gab es Öl, Essig, Marmeladen und ich weiss nicht was noch alles als Andenken im eigenen Laden zu kaufen.

Ich war überwältigt, allein schon von der schieren logistisch-administrativen Leistung. So gestand mir der Hausherr eines Morgens auch: „Sie glauben nicht, WAS hier täglich alles anfällt, und wenn man nicht überall selber draufschaut, geht es nicht“. Die Energie des Ehepaars, die auch ihren Sohn im Schloss hatten (der, wenn ich mich recht erinnere auch beim Kochen half), war atemberaubend. Die grosse Sehnsucht der Beiden, neben dem Restaurieren, gehörte Afrika, wohin sie viele Reisen samt Erinnerungsstücken, die im Schloss aufgestellt waren, unternahmen. Besonders hervorheben möchte ich, dass ich selten bescheidenere Menschen getroffen habe, die trotz des sichtbaren Wohlstandes in keinster Weise abgehoben auftraten, im Gegenteil. So musste ich sehr lange zureden, um ein Foto-Porträt machen zu dürfen von beiden, als Teil des Artikels. Seinen Hubschrauber stellte der begeisterte Privatpilot jedoch gerne für mich in die Luft für ein paar Bilder, seine Frau mochte dieses Hobby deutlich nicht.

Im Folgejahr besuchten wir das Schloss für einen Kurzurlaub, wir hatten mit unserem 9 Monate alten Sohn nur etwas Pech anfangs mit dem Wetter, es goss in Strömen die ersten zwei bis drei Tage. Damit wir einmal im Restaurant sitzen konnten, besorgten wir ein Babyfon, da wir das eigene zu Hause vergessen hatten, doch der Empfang bis zu unserem Appartement reichte nicht aus. Der Schlossherr organisierte stattdessen, dass wir das Menü in die Wohnung geliefert bekamen. Seine Frau nahm mir das Babyfon ab und zahlte es mit dem Worten: „Da werden sich andere Gäste sicher freuen“ – charmant gelogen, aber es war ihr nicht auszuschlagen. Zum Abschied schenkte sie uns noch einen Stoffelefanten, wir fuhren mit vollem Herzen nach Hause.

Der Tipp wurde entsprechend weitergegeben, auch in unserer Familie. Die Schwiegereltern kehrten ebenfalls begeistert zurück, nur war es ihnen nicht gelungen, die Hausherren kennenzulernen, was mich etwas verwunderte, auf Grund der stets empfundenen Herzlichkeit im Umgang mit den Gästen. Wenig später klärte es sich auf. Ein früherer Kollege, ich hatte mittlerweile eine andere Funktion übernommen, rief mich an, ich sei doch mit dem ehemaligen Arzt und Kunden in Südfrankreich bekannt gewesen, er habe mir eine traurige Mitteilung zu machen: Dieser sei bei einem Testflug für einen anderen Hubschrauber tödlich verunglückt. Die ganze Familie war sehr bedrückt. Wir kondolierten natürlich und nach einer gewissen Zeit konnten wir auch den Kontakt mit seiner Witwe wieder aufleben lassen.

Mittlerweile lebt sie augenscheinlich glücklich auf einem weiteren Schloss, das beide noch zusammen erworben hatten, und ebenfalls in ein Feriendomizil umgebaut haben. Aus Schutz der Privatsphäre, weil ich hier doch viel sehr Persönliches preisgebe, erwähne ich den Namen an dieser Stelle nicht, wir verbrachten dort bereits auch sehr schöne Ferien. Allerdings mit einigen Turbulenzen aus der Fauna, als Höhepunkt eine völlig verschreckte Fledermaus auf unserem Parkettboden, die ein Gewitter in unser Zimmer verfrachtet hatte. Die Familie schrie, das arme Tier konnte ich aber unversehrt nach draussen befördern.

Chateau Hermitage stand dann eine Weile ganz leer und drohte fast zu verfallen, bevor es ein neues Besitzerpaar aus dem Dornröschenschlaf wachküsste. Um jedoch im Bild zu bleiben, mussten und müssen schon noch einige Dornen beseitigt werden. Ich bezeichne die Anlage gerne als „Monster“, das täglich gefüttert werden will. Der Besitzer macht daher das einzig Richtige, er setzt es auf Zwangsdiät. Von den ursprünglich 37 (!) Wohnungen hat er derzeit nur rund 20 wieder im Angebot, auch die Saunalandschaft harrt noch der Wiederherstellung.

Die weiterhin zur Verfügung stehenden Fahrräder bescherten uns einen Abenteuerausflug samt „Schlammquerung“ über einen Sickergraben zwischen den Weinfeldern, das Restaurant hat mittlerweile einen höheren Anspruch, bietet dafür aber auch sehr gute Qualität. Die Weine finde ich nun – für die Lieferung im Haus – etwas überteuert, man bekommt rundherum genügend Anlaufstellen, um sich entsprechend einzudecken. Doch sind die neuen Besitzer auf dem besten Wege, alles wieder perfekt zu machen wie einst, und den unvergleichlichen Charme der Anlage, seines Gesamtkonzeptes, gerade für uns Kochbegeisterte, umgeben von herrlicher südfranzösischer Landschaft, wiederherzustellen.  Eine tolle Idee fanden wir die Bar beim Pool und vor der Boulebahn, Pastis zu klackernden Silberkugeln, während die Zikaden zirpen, die Kinder im Stehen eisschleckend trocknen und man selber vom Duft der Wildkräuter animiert über mögliche Rezepte sinniert – ohne jedoch das Spiel aus den Augen zu verlieren, la vie en rose. Im Anschluss dann Pissaladière als kleiner Snack, auch weil es auf den Märkten so wunderbare weisse Zwiebeln gab.

Ähnlich der Fledermaus hatten wir auch diesmal ein Tiererlebnis der besonderen Art. Eines Morgens fand ich die (untere) Hälfte eines Kaninchens in unserem Patio. Es war jedoch keine Drohung der örtlichen Mafia, sondern ein Marder, der im angrenzenden Turm haust, hatte es nach erfolgreichem Beutezug aus dem Maul verloren. Im Anschluss traute sich „unser“ Hase (siehe Bild unten) – eigentlich grundlos – nicht mehr aus der Wohnung.

Wir werden sicher wiederkommen, mittlerweile dankbar lächelnd, dass wir nicht nur dieses Paradies entdecken , sondern vor allem jene einzigartigen Menschen kennenlernen durften. A la prochaine, Chateau Hermitage!

http://www.charming-chateau.com/

 

 

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